Die Rubrik Aus der Lacanianischen Welt veröffentlicht Beiträge zum lacanianischen Denken.

 

Marie von Heyl

Abstract: Im Folgenden wird der Versuch unternommen, eine These zur Begehrensdynamik künstlerischer Produktion zu formulieren. Als Dreh- und Angelpunkt dient der Fund zweier auf den ersten Blick widersprüchlicher Aussagen im Werk von Jacques Lacan und Roland Barthes. Das künstlerische Schaffen, so die These der an diesen Fund anschließenden Überlegung, wird bewegt von einem Künstler*innen-Begehren, das sich am Kunstwerk als produktiv erweist. Damit soll nicht zuletzt Sigmund Freuds Aussage, das Kunstwerk diene der Künstlerin als Ersatzbefriedigung innerhalb einer Triebökonomie der Versagung, um eine dialektische Begehrensdynamik erweitert werden. In einem zweiten Schritt wird entlang einer Werkanalyse der künstlerischen Arbeit A Voyage of Growth and Discovery (2010) von Mike Kelley und Michael Smith, das Begehrensgeschehen auf der Darstellungsebene reflektiert.

Keywords: Künstler*innen-Begehren, Lacan’sche Psychoanalyse, Phänomenologie der Affekte, künstlerische Forschung

Veröffentlicht: 24.11.2021

Edith Seifert

Abstract: Der Artikel reagiert auf die Kritik des aktuell tonangebenden transsexuellen Philosophen P.B. Preciado, wonach die Psychoanalyse entscheidende Veränderungen ihrer Zeit versäume: das Phänomen der durch die neuen Technologien entstandenen neuen Körper und die damit verbundene Neuordnung der Verwandtschaftsbeziehungen. Die Psychoanalyse beharre ungeachtet aller Neuerungen auf einer binären Geschlechtsordnung.

Keywords: Neue Körper, binäre Geschlechtsordnung, Vaterfunktion, Kastration

Veröffentlicht: 24.11.2021

Annemarie Hamad

Abstract: Der Beitrag unternimmt die Darstellung des von der Kinderpsychoanalytikerin Françoise Dolto in der analytischen Arbeit mit Kindern erarbeiteten Konzepts des unbewussten Bild des Körpers als wertvolles Werkzeug für jeden Analytiker und dessen Artikulierung mit der Lehre von Jacques Lacan. Klinische Beispiele aus der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen illustrieren die Reichhaltigkeit dieser auf der Praxis aufgebauten Theoretisierung.

Keywords: Bild, Körper, Kinderanalyse, Praxis

Veröffentlicht: 18.10.2021

Michael Meyer zum Wischen

Abstract: In diesem Text möchte der Autor den Begriff der Atopie aus der Perspektive des Werkes von Jacques Lacan lesen. Das A privatium als Buchstabe für die Entortung des Subjekts kann dabei dreifach aufgefasst werden: als Letter des großen Anderen, des kleinen anderen und des Objektes a. Damit kann die Dezentrierung des Subjekts von drei Enden begriffen werden: vom Symbolischen, Imaginären und Realen her. Diese Dimensionen sind jeweils in einer besonderen Weise (sinthomatisch) miteinander verknüpft. Das heißt, dass jeder Einzelne seine eigene Atopie ausbildet. Der Autor bezieht sich bei der Entwicklung dieses Zugangs auf Lacans Lektüre der Freudschen Traumdeutung sowie des Diktums: „Wo Es war soll Ich werden“ - oder vielleicht besser mit Lacan gewendet: „Wo es war, soll ich werden.“?

Keywords: Atopie, Traumdeutung, RSI, Subjekt, „Wo Es war soll Ich werden“

Veröffentlicht: 18.10.2021